Die 5-tägige Studienreise im Juli 2020 wurde geplant und durchgeführt vom Vorsitzenden der Kreisgruppe Donnersberg, Herrn Ernst Will. Sie führte uns nach Fürth, Donauwörth, Augsburg, Nördlingen, Oettingen, durch das Urdonautal nach Eichstätt und zur Cadolzburg. Leider konnten die ursprünglich angedachten Programmpunkte Solnhofen mit Museum und Steinbruch und Blumenpark Dehner in Rain am Lech wegen der Coronakrise nicht verwirklicht werden.

Bei der Hinfahrt nach Donauwörth machten wir einen Halt in Fürth, wo wir einen Spaziergang durch die Altstadt unternahmen und besonders die evangelische Stadtkirche St. Michael besichtigten, mit Erklärungen von Ernst Will. Besonders sehenswert sind hier die zehnteiligen Glasfenster, die nach Entwürfen von Hans Gottfried Stockhausen angefertigt wurden. Am 29. Juni 1958 übergab Stadtpfarrer Karl Will, der Vater von Ernst Will, der Gemeinde die ersten 3 von insgesamt 7 Fenstern.

Am zweiten Tag war eine Fahrt nach Augsburg angesagt. Hier gab es 2 Führungen, einmal „Auf den Spuren der reichen Fugger“ und zweitens „ Die Augsburger Wasserversorgung“. Zwischen 1495 und 1525 war Jakob Fugger der bedeutendste Kaufmann, Unternehmer und Bankier Europas. Baumwollhandel, Bergbau (Silber, Kupfer, Quecksilber) und Bankgeschäfte waren seine Schwerpunkte. Durch die Bankgeschäfte mit den Habsburgern (Maximilian I. und Karl V.) und Geschäftsbeziehungen mit dem Vatikan beeinflusste er die europäische Politik und sogar die Wahl des Papstes Julius II. Sein damaliges Vermögen entsprach auf heute bezogen 400 Mrd. Euro.

Die Fuggerei ist die älteste Sozialsiedlung und seit 500 Jahren einzigartig auf der Welt. Sie wurde von Jakob Fugger dem Reichen gestiftet und erfüllt bis heute den Stiftungszweck. Die 67 Reihenhäuser mit je 2 Wohnungen sind für bedürftige Augsburger, die unverschuldet in Not geraten sind, gedacht. Die Jahreskaltmiete beträgt 88 Cent und 3 tägliche Gebete.

Die Augsburger Wasserversorgung ist ebenfalls weltweit einzigartig und wurde 2019 zum Unesco Welterbe erklärt. Das Wassermanagementsystem steht für Fortschritt, Ästhetik und Nachhaltigkeit. Die Anfänge gehen in das 13. Jahrhundert zurück. Das Welterbe besteht aus der funktionalen Einheit von 22 Objekten und besteht aus einem Kanalsystem, Wasser-Kraftwerken und 3 monumentalen Brunnen. Schon 1545 erfolgte eine strikte Trennung von Trink- und Brauchwasser.

Am dritten Tag stand das Nördlinger Ries auf dem Programm. Nördlingen selbst ist eine ehemalige Reichsstadt und hat heute ca. 20000 Einwohner. Die 2,6 km lange Stadtmauer wurde 1327 gebaut, umgibt die Innenstadt und ist vollständig begehbar. 5 Tore mit jeweiligen Tortürmen öffnen den Weg nach innen bzw. außen. 1427 hat der Bau der gotischen St. Georgskirche begonnen. Der 90 m hohe Turm Daniel wurde später errichtet.

Bei einer Führung im Rieskratermuseum erfuhren wir, was sich vor ca. 15 Millionen Jahren abgespielt hat. Die folgenden Ausführungen habe ich einem Vortrag von Herrn Will entnommen. Herr Will ist in Löpsingen geboren und daher ein echter Rieser: „Da raste ein Meteorit mit einem Durchmesser von etwa 1000 m und einer Geschwindigkeit von 70 000 km/h auf die Erde und schlug in der Nähe des heutigen Nördlingen auf die Hochfläche der Schwäbischen Alb. Dabei wurde eine Energiemenge freigesetzt, die der gleichzeitigen Zündung von 100 000 Hiroshima-Bomben entsprach. Die Kratertiefe betrug 4,5 km. Beim Aufschlag verglühte der Meteorit und das getroffene kristalline Grundgebirge wurde zu einer Glutwolke. Diese Glutwolke riss auch nicht geschmolzenes kristallines Gestein und Gasblasen bis zu 100 km in die Atmosphäre. Bereits nach wenigen Minuten legte sich die Glutwolke über die zerstörte Landschaft. Während dieser Minuten ist erstmalig in der Erdgeschichte ein ganz neues Gestein entstanden, der Suevit, bekannt als Schwabenstein, ein nur im Ries vorkommender Baustoff.

Bis 1960 war es nicht bewiesen, wie das Nördlinger Ries entstanden ist. Meteoriteneinschlag könnte eine Ursache sein, vulkanische Vorgänge eine andere Theorie. Am 27. Juli 1960 untersuchte der amerikanische Forscher Prof. Eugene Shoemaker eine Suevitprobe aus dem Steinbruch Otting. Dabei stellte er Mineralien fest, die nicht in der Natur vorkommen, wohl aber bei Hochdruckexperimenten, nämlich Coesit und Stishovit. Das ist ein Beweis für einen Meteoriteneinschlag, da bei vulkanischen Vorgängen keine solch hohen Drücke vorkommen. Ein weiterer Beweis für einen Meteoriteneinschlag gelang Shoemaker und seinem Kollegen Edward Chao bei der Untersuchung des Arizonakraters, einem bekannten Meteoritenkrater in den USA. Und tatsächlich wurden auch hier die beiden Mineralien Coesit und Stishovit gefunden.“

Eine interessante geschichtliche Begebenheit erfuhren wir bei einer Stadtführung in Öttingen. Das Geschlecht der Öttingen wird bereits 987 urkundlich erwähnt. Die Stammreihe als Grafen von Öttingen beginnt urkundlich im Jahre 1147, als ihnen die alte staufische Gaugrafschaft im Ries als Lehen übertragen wurde. Zur Zeit der Reformation, 1522, spaltete sich das Haus Öttingen in 2 Linien, die evangelische Linie Öttingen-Öttingen und die katholische Linie Öttingen- Wallerstein. Die Folgen dieser Teilungen waren 2 Schlösser, 2 Kirchen und 2 Schulen. Es gab sogar 2 verschiedene Kalender, das bedeutete unterschiedliche Fest- und Feiertage. Selbst die Straßenzüge wurden geteilt, was bis heute noch in der Schlossstraße erkennbar ist. Die Häuserfassaden der evangelische Linie wurden in der Barockzeit angepasst, der katholische Graf befahl die Beibehaltung der Fachwerkfassaden.

Eine Führung in Donauwörth zeigte uns unter anderem das Liebfrauenmünster, eine dreischiffige gotische Backstein-Hallenkirche, die von 1444 bis 1467 erbaut wurde, das Deutschordenshaus, eine der ältesten Niederlassungen des Deutschen Ritterordens das Kloster Heilig Kreuz mit der Wallfahrtskirche, ein Musterbeispiel der spätbarocken Wesobrunner Schule und das ab 1236 erbaute Rathaus.

Auf der Rückfahrt machten wir noch einen Abstecher zur Cadolzburg in der Nähe von Nürnberg. Sie wurde 1157 erstmals erwähnt und diente ab 1260 als Sitz der hohenzollernschen Burggrafen von Nürnberg. Im 2. Weltkrieg abgebrannt, ist seit 1979 der Wiederaufbau im Gange und noch nicht völlig abgeschlossen. Es war schade, dass wir das Museum und den Steinbruch in Solnhofen nicht besuchen konnten. Hier hätten wir nämlich Bekanntschaft mit dem weltberühmten Archaeopteryx gemacht. Der Fund des „Urvogels“ in den dortigen Gesteinsschichten war nämlich ein Meilenstein für die Paläontologie, die damit ihre Evolutionstheorie stützen konnte. Der Archaeopteryx war nämlich ein Brückentier, welches ein Mosaik aus Reptil und Vogel darstellt. Er besitzt einerseits Reptilienmerkmale, wie Zähne, freie Rippen und eine lange Schwanzwirbelsäule und andererseits Vogelmerkmale, wie Schwungfedern, Gabelbein (aus den beiden Schlüsselbeinen entstanden) und eine nach rückwärts gerichtete Zehe.

Alles in Allem war es eine sehr interessante Studienfahrt mit vielen bleibenden Eindrücken und neuen Erkenntnissen für die meisten Beteiligten. Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich bei Familie Will für die schöne Reise ins bayrische Schwabenland.

Kurzbeschreibung der Fotos (von links oben nach rechts unten, diese werden auch bei der Vergrösserung angezeigt)

1. Herr und Frau Will sind aufmerksame Zuhörer2. Jakob Fugger-Denkmal in Augsburg3. Fuggerhaus in Augsburg4. Eingang zur Fuggerei
5. Museum in der Fuggerei6. Augustusbrunnen, einer von 3 Prachtbrunnen in Augsburg7. Ein Wasserkanal (mittlerer Lech)8. Ehemaliges Pumphaus
9. Wallfahrtskirche des Heilig-Kreuz-Klosters in Donauwörth10. Suevit, das besondere Mineral im Nördlinger Ries11. Führung im Rieskratermuseum12. St. Georgskirche mit Turm „Daniel“
13. . Innenstadt von Nördlingen14. Auf der 2,6 km langen Stadtmauer in Nördlingen15. Die Schlossstraße in Oettingen16. Die Cadolzburg, ehemaliger Sitz der fränkischen Hohenzollern

Text und Fotos: Jochen Schowalter, Bennhausen

Pollichia-Studienreise in das Bayrische Schwabenland
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