Am 3. Sept. 2023 besuchten einige Mitglieder der POLLICHIA die Weltkulturerbestätte „Grube Messel“ im Odenwald, einige km östlich von Darmstadt. In dieser finden nach wie vor Ausgrabungen statt, jährlich werden ca. 3000 Objekte gefunden! Sie haben ein Alter von ca. 48 Millionen Jahren und stammen aus der Epoche des Eozän. Es erstreckt sich über einen Zeitraum von ca. 34 bis 56 Millionen Jahren in der Vergangenheit, ihm voraus ging das Paläozän und es wurde abgelöst vom Oligozän. Am Beginn des Paläozän vor 66 Millionen Jahren stand das Aussterben der Dinosaurier (und vieler weiterer Landtiere), während des Eozän eroberten Säugetiere die Welt.
Der – auch im internationalen Vergleich – außerordentlich gute Erhaltungszustand ist mehreren Umständen zu verdanken. Damals lag Mitteleuropa in der Nähe des Äquators, die Landschaft war geprägt durch Lagunen und tropischen Regenwald. Über tiefe Risse in der Erdkruste stieg heißes Magma auf. Beim Zusammentreffen mit Grundwasser kam es zu explosionsartigen Ereignissen, wobei Seen bzw. Maare entstehen konnten.
Ein See wurde rasch von Algen besiedelt, die Matten ausbildeten und sich nach mehrmaliger Blüte auf dem Seeboden absetzten. Dabei wurden Pflanzenreste und Tierkadaver überdeckt und eingeschlossen. Die gesamte Ablagerungsschicht, die sich über einige Jahrmillionen bildete, hat eine Mächtigkeit von fast 200 Metern. Infolge der Verdichtung und des hohen statischen Drucks entstand Ölschiefer. Später verlandete der See, der Rand des Maares wurde abgetragen.
Der im 19. Jahrhundert aufkommende Bedarf an Erdöl ließ an diesem Ort zuerst nach Braunkohle graben, später wurde der Ölschiefer gefördert und mit Hitze das Öl bzw. Paraffin ausgetrieben. Direkt am Ort befand sich eine Raffinerie. Dieser nicht sehr effektive Prozess wurde ca. 1960 eingestellt.
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es Fossilfunde, die Konservierung war wegen des an Luft rasch trocknenden Ölschiefers schwierig. Die Grube lag etwa ein Jahrzehnt still, um ca. 1970 kam der Vorschlag auf, die Grube als Mülldeponie zu verwenden. Die Vorbereitungen waren bereits weit gediehen (Anlage einer asphaltierten Straße, Auffüllen der Grundfläche mit einer mehrere Meter dicken Schicht aus Schotter), als es einer Bürgerinitiative, unterstützt durch Wissenschaftler, ca. 1987 gelang, dieses Vorhaben zu stoppen und die Grube für Forschungs- und Naturschutzzwecke zu erhalten. Das Bundesland Hessen erwarb das Gelände, seit 1995 gehört die Grube zum UNESCO Welterbe. Die Grabungen und Forschungsarbeiten werden maßgeblich von der Senckenberg Gesellschaft aus Frankfurt am Main durchgeführt.
Der bekannteste Fund ist das sog. Urpferdchen (Pferdeartige Propalaeotherium und Eurohippus). Insgesamt wurden ca. 70 Exemplare gefunden, mit einer Rist- bzw. Schulterhöhe von nur 25 – 30 cm (s. Foto und Nachbildung unten).
Auch etliche weitere Arten an Fischen, Vögeln, Amphibien, Insekten und Pflanzen wurden gefunden. Bekannt wurde u.a. eine dem Kranich ähnliche Vogelart (Messelornis cristata ) und ein Primat (Darwinius masillae). Der Erhaltungszustand ist i.d.R. so gut, dass – sorgfältige und aufwändige Präparation vorausgesetzt – nicht nur das Skelett, sondern z.B. der Mageninhalt rekonstruiert werden kann, ebenso Details der Körperhülle, seien es Haut, Schuppen, Fell oder sogar Federn.
Seit ca. 2005 gibt es geführte Touren in die Grube, am Eingang wurde ein Besucherzentrum einschl. einer Beobachtungsplattform und der Ausstellung von Funden errichtet. Im Ort Messel gibt es ein weiteres Museum, dass neben der Regional- und Heimatgeschichte im Obergeschoß zahlreiche fossile Originalfunde und Replikate zeigt (s.u.). Insgesamt ein sehr lohnenswerter und lehrreicher Ausflug, ca. 90 km von Kirchheimbolanden entfernt.

Weitere Infos: https://grube-messel.de
https://de.wikipedia.org/wiki/Grube_Messel
https://www.messelmuseum.de

Fotos (von links oben nach rechts unten, von G. Eymann):
(1): Skizze zur Entstehung des Maares (roter Balken: Bohrung bis ca. 140 m Tiefe)
Der Ölschiefer befindet sich in den beiden obersten Schichten, nähere Erläuterung s. Wikipedia
(2): Einblick in die Grube vom Eingang aus
Bildmitte: verbliebene Wasserflächen, rechts davon mit Schotter aufgefüllte Fläche (Vorbereitung zur geplanten Mülldeponie)
(3): Teilnehmer:innen (Exkursionsleiter im Hintergrund, Ansicht von vorn)
(4) bis (6): Nachbildungen von fossillen Funden
(7): Modell des Urpferdchen

Exkursion zur Grube Messel
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